Wird die Kirche durch die Kirchensteuer nicht zu "irdisch"?

Manche Kritik an der Kirchensteuer zielt auf die Institution Kirche selbst. Wird die Kirche durchs Geld nicht zum »machtsinnlichen Apparat«, indem die Anonymität dominiert und der Blick auf den Menschen verstellt wird?

In diesem Zusammenhang wird gerne aufs Neue Testament verwiesen, zum Beispiel auf die Aussendungsrede Jesu (Matthäusevangelium Kapitel 10). In ihr gebietet er den Jüngern: »Ihr sollt weder Gold noch Silber, noch Kupfer in eurem Gürtel haben ... «. Sollte dies nicht auch für die Kirche von heute gelten? Als Korrektiv sehr wohl, an dem sie sich messen lassen muß. Oder mit einem Wort des Apostels Paulus:

Die Kirchen sollten »haben, als hätten sie nicht«. Diese Haltung geziemt der Kirche als Form der »modernen Armut«.

Jesus

Freilich gilt es auch dies zu bedenken: Kirche ist nicht mehr wie bei Jesus vor zweitausend Jahren eine Bewegung, die auf zwölf Augenpaaren steht. Kirche ist eine Institution in unserer Gesellschaft.

Und auch für sie gilt das Lebensgesetz, daß jede Botschaft eine Gestalt braucht, in der sie faßbar und verbürgt ist, um weiterzuleben. Kirche ist »in die Welt gesandt«: Ein Rückzug aus der Welt ist ihr nicht gestattet. Auch nicht in der Weise, wie es ihr zuweilen angesonnen wird: »Klein und fein zu bleiben - und die anderen >außen vor, zu lassen, die es nicht so ernst meinen.«

Es kann Kirche nicht als Briefkastenfirma geben, sondern immer nur als Kirche von und für Menschen. Je umfassender Kirche ihren Auftrag an der Welt erfüllt, desto mehr braucht sie Mittel, um Menschen konkret helfen zu können.

Finanzwirtschaft kann hier immer nur »dienende Funktion« haben. Dienend heißt, daß Kirche jederzeit durchsichtig wirtschaftet, daß sie ausweist, wofür sie ihre Mittel verwendet. Und daß sie dies mit größtmöglicher Sparsamkeit durchführt.